Wenn wir uns mit unseren Kindern Bauernhofbücher anschauen, so bekommen wir ein Bild von einem voll bewirtschafteten Bauernhof präsentiert. Dieser Bauernhof ist voller Leben. Es werden die Tiere gefüttert, Ställe entmistet, Trecker fahren durch die Gegend und bestellen die Felder. Große und kleine Tiere wollen eben versorgt werden.
Wenn man nun solch einen Urlaub bucht, dann versprechen einem die Familien der Bauernhöfe, dass man eben genau dieses Bauernhofleben miterlebt.
Bauernhof-Urlaub Nr. 1 versprach eben solch einen Urlaub. Es gibt Spielgeräte für die Kinder, Ziegen und Kühe und mehrere kleinere Tiere zum Streicheln wie z.B. Kaninchen. Eine Fahrt mit dem Trecker ist selbstverständlich kein Problem. Der Hof ist voll bewirtschaftet und es ist immer Leben in der Bude. Soweit die Anpreisungen.
Kaum in der Ferienwohnung auf dem Bauernhof angekommen, wurde erst mal ein erster Eindruck gewonnen: zwei Trecker standen in der Scheune, die Kühe standen auf einer großen Weide weit entfernt, die Ziegen auf einer etwas kleineren Weide direkt nebenan. Die Kaninchen waren in ihren Käfigen schön aufgereiht an einer Hauswand postiert. Es gab sogar Hühner in einem großen geschlossenen Hühnerstall.
Soweit, so gut. Nach und nach erschlossen uns nun die „Aber“ dieses Hofes:
- Die Kaninchen bissen und die Käfige waren mit entsprechenden Warnschildern ausgestattet.
- Die Kühe hatten Angst vor Menschen und nähersten sich dem Stall nicht auf 300 Meter, wenn wir in der Nähe waren.
- Die Ziegen durften nicht gefüttert werden.
- Die Spielgeräte auf dem Hof waren in einem desolaten Zustand, so dass wir nicht nur Angst um die Gesundheit unserer Kinder hatten sondern auch zugleich die Kinder schnell das Interesse an defektem Spielzeug hatten.
Das interessante an diesem Hof: es gab gar kein Leben. Das Highlight war das Eier sammeln im Hühnerstall, wobei es für kleinere Kinder in einem mit Hühnern gefüllten Stall schon etwas mulmig wird. Das zweite Highlight war eine 15-Min-Fahrt mit einem Trecker.
Ansonsten war dieser Hof menschenleer, die Tiere mehr oder weniger sich selbst überlassen. Die Trecker standen den ganzen Tag in der Scheune oder wurden nur dann und wann zum Stroh einsammeln bewegt, wo man dann aber nicht mitfahren durfte.
Außerdem machte der Bauer einen leicht unorganisierten Eindruck. Überall auf dem Hof gab es Minibaustellen, die angefangen, aber nicht beendet wurden. Mal stand hier ein Haufen Sand, dort ein paar Steine, da eine halb angefangene Mauer. Leider gab es in der Umgebung recht wenig zu erleben, so dass wir unsere Zeit damit verbrachten, Unmengen an Heu und Löwenzahn zu den Ziegen zu karren – mit Einverständnis des Bauern natürlich.
Kaum ein Jahr später probierten wir nochmal unser Glück mit Bauernhof Nr. 2. Dieses Mal erkundigten wir uns explizit nach den Freizeitmöglichkeiten auf dem Hof. Auch dieser Hof versprach vieles: Spielmöglichkeiten selbst für die Kleinsten, viele Fahrzeuge, Kühe, Schweine, Ziegen, Pferde zum Ponyreiten.
Als wir an diesem Domizil angekommen waren, machten sich nach und nach ebenfalls die „Aber“ breit. Der Spielplatz lag vollkommen ungeschützt auf einem Hügel, auf dem ein kalter zugiger Wind hinweg fegte. Die Tiere in den Ställen standen knietief in ihrem Mist und waren von oben bis unten besudelt. Auf Rückfrage bei Bauern werden die Ställe nur alle vier bis sechs Wochen entmistet. Das Heu, das die Tiere zu Fressen bekamen war schon gut am modern und es lag ein Dunst vermoderndes Heus über dem Hof. Die Schweine standen in einem recht kleinen ebenfalls nicht entmisteten Stall dicht an dicht.
Allein der Stall der Pferde wurde täglich entmistet. Aber auch bei den Pferden gab es ein Aber. Sie wurden nicht mehr geritten sondern es setzte sich nur noch ab und wann ein Gast auf das Pferd.
Auf diesem Hof kam verstärkt hinzu, dass man sich sehr unwillkommen fühlte. Egal, ob man den Bauern oder die Bauersfrau oder die Oma des Hofes etwas fragte, so bekam man immer kurz angebundene knappe Antworten. Unweigerlich bekamen wir das Gefühl, die Familie zu stören.
Die Highlights auf diesem Hof waren eine 10-Minuten-Treckerfahrt in einen Wald, wo wir dann aber aussteigen und 45 Min zugucken mussten, wie der Bauer recht umständlich Baumstämme sortierte und eine weitere Treckerfahrt von 5 Minuten Dauer, um dann wieder eine geschlagene Stunde dem Bauern zuzuschauen, wie er in einer anderen Scheune noch umständlicher seine Anhänger zu sortieren. Offenbar hatte der Bauer keinerlei räumliches Verständnis, wie seine Gefährte in einer Scheune aussehen könnten. Erfahrungen aus dem Vorjahr schien er vergessen zu haben.
Das Ponyreiten sollte eigentlich ein Highlight werden, aber die Oma des Hofes scheuchte das Pferd derart um den Hof herum, dass nicht nur unser Sohn fast vom Pferd gefallen ist sondern dass er nach einer Runde auch schon lieber vom Pferd runter wollte (obwohl er Ponyreiten liebt).
Ebenfalls hätte die Geburt der Kälber ein Highlight sein können. Wenn die Kälber nicht halb im Schlamm des Stalls versunken wären. Sehr schön auch die Fütterung: so fuhr der Bauer mit einem kleinen Mini-Trecker in fünf Minuten durch den Stall und gab den Tieren das Heu und stellte den separierten Kälbern ihre angerührte Aufzuchtmilch hin. Die Kälber wurden nach Aussage des Bauern zu ihrem Schutze separiert. Dass die Milch allerdings von den Hofhunden getrunken wurde und sich drei Kälber anstelle von drei Eimern eineinhalb teilen mussten, hatte der Bauer nicht mitbekommen. Wir wollten ihn zwar drauf hinweisen, aber da fuhr er schon wieder weg: auch mal im Dorf präsent sein und bei der freiwilligen Feuerwehr einen trinken gehen.
Man könnte jetzt meinen, dass es zwei Einzelfälle sind, aber wenn wir uns so umhören, so scheint das eher die Regel. Wir haben sogar noch Glück gehabt, weil wir in die Kuhställe gehen dürften. Andere Eltern berichten da ebenfalls von ihren Erfahrungen vom Bauernhofleben, das keines ist.
Liebe Bauern, bitte versteht das nicht falsch. Wir wollen kein geführtes Programm und euch auch nicht an der Arbeit hindern. Ganz im Gegenteil, wir wollen aktiv miterleben, was es auf dem Bauernhof zu tun gibt und auch in die Arbeiten mit eingebunden werden.
Wer also einen Bauernhof kennt, wo Tiere nicht in ihrem Mist knietief stehen müssen, wo wirklich auch tagsüber Leben ist, wo Kinder auch etwas erleben, was es nur auf einem Bauernhof geben kann, der möge doch bitte einen Kommentar hinterlassen.